Gicht
Informationen für Betroffene und Interessierte
Gicht (Urikopathie)
War Gicht früher eine Erkrankung der oberen Gesellschaftsschichten, so kann man sie heute als Volkskrankheit bezeichnen. Der nahezu unbegrenzte Zugang zu Nahrungs- und Genussmitteln für den größten Teil der deutschen Bevölkerung hat zu einem dramatischen Anstieg der Krankheitshäufigkeit geführt. Sie betrifft in 95 % aller Fälle Männer, zumeist im mittleren Lebensalter.
Die Gicht ist eine Störung des Purin-Stoffwechsels. Beeinträchtigt ist hierbei der Abbau bzw. die Ausscheidung des Eiweißes Purin das in Zellkernen vorhanden ist. Purin wird zum einen über Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Bier und Hülsenfrüchte aufgenommen, zum anderen entsteht Purin beim Abbau aller Körperzellen.
Grundsätzlich werden zwei Formen der Urikopathie unterschieden. Bei der primären Gicht handelt es sich um eine vererbte Stoffwechselerkrankung, die meist erst in Folge von Übergewicht und falscher Ernährung ausbricht. Die sekundäre Gicht wird durch eine Schädigung der Nieren, Diabetes mellitus, Krebs oder Anämien ausgelöst.
Die Gicht verläuft schubartig und kann unbehandelt zu einer Schädigung der Nieren und Gelenke führen. Die Dauer und Häufigkeit der Schübe nimmt regelmäßig im Verlauf der Erkrankung zu. Häufig (bei ca. 2/3 aller Betroffenen) treten starke Schmerzen, vor allem im Großzehengrundgelenk auf. Diese Symptomatik wird auch als Podagra (Steigbügel) bezeichnet. Das betroffene Gelenk wird ohne äußeres Ereignis heiß und schwillt an. Darüberhinaus kann es zu Fieber und einer Erhöhung der weißen Blutkörperchen kommen.
Akute Gichtanfälle können durch verschiedene Ereignisse ausgelöst werden. Grundsätzlich werden sie durch eine Veränderung des Harnsäurespiegels verursacht. Üppige Festessen, starker Alkoholkonsum aber auch extremes Fasten können hier auslösende Faktoren sein.
In der Folge einiger akuter Gichtanfälle kann sich die so genannte Arthritis urica entwickeln. Über eine längere Zeit bilden sich Ablagerungen von Harnsäurekristallen an den verschiedensten Stellen. Die Ablagerungen in Gelenken führen zu stärksten Beschwerden bis hin zur völligen Zerstörung des Gelenks. Im Röntgenbild kann sich das als so genannte Spongiose zeigen, der Gelenkkopf erscheint als wären Teile ausgestanzt worden.